Marco Friedl im Profil: geboren 1998 in Kirchbichl, seit 2018 bei Werder, seit 2022 Kapitän. 231 Pflichtspiele, Vertrag bis 2028, WM 2026 mit Österreich.
Grün-weiße Grüße, liebe Werder-Familie!
Es gibt Spieler, über die man erst dann richtig nachdenkt, wenn man ihre Jahre zusammenzählt. Marco Friedl ist so einer. Er läuft seit Januar 2018 für Werder auf, seit dem Sommer 2022 mit der Binde am Arm, und in dieser Zeit hat der Verein einen Abstieg, einen Aufstieg, mehrere Trainerwechsel und komplette Kaderumbrüche erlebt. Friedl war bei allem dabei.
Das Bemerkenswerte daran: Es hätte auch ganz anders kommen können.
| Geboren | 16. März 1998 in Kirchbichl, Tirol (Österreich) |
| Alter | 28 Jahre |
| Nationalität | Österreich |
| Größe | 1,87 m |
| Starker Fuß | links |
| Position | Innenverteidiger, ursprünglich linker Verteidiger |
| Bei Werder seit | Januar 2018 (zunächst als Leihe vom FC Bayern München) |
| Kapitän seit | Sommer 2022 |
| Vertrag | bis Sommer 2028 |
Friedl kommt aus Kirchbichl, einer Gemeinde im Tiroler Unterland mit gut 5.000 Einwohnern. Dort hat man ihn nicht vergessen: Inzwischen trägt ein Nachwuchsturnier für U11-Mannschaften seinen Namen.
Der Weg führte von dort in die Jugend des FC Bayern München. Für die erste Mannschaft der Bayern blieb es bei einem einzigen Bundesligaspiel — was in München eher die Regel als die Ausnahme ist. Im Januar 2018 kam er auf Leihbasis nach Bremen, und aus der Leihe wurde ein fester Wechsel.
Damit ist auch eine Ungenauigkeit aus der Welt, die in älteren Fassungen dieses Textes stand: Friedl kam nicht 2017 und nicht erst 2019, sondern im Januar 2018 als Leihspieler; die feste Verpflichtung folgte später.
Nach dem Abstieg 2021 stand Friedl vor dem Absprung. Nach den Berichten aus jener Zeit wollte er einen Wechsel zu Union Berlin erzwingen und verweigerte dafür zeitweise den Einsatz. Der Transfer platzte. Friedl blieb — in der zweiten Liga, bei einem Verein, der gerade alles verloren hatte.
Man kann das als Makel lesen. Man kann es aber auch als den Punkt lesen, an dem seine Bremer Geschichte kippte: Friedl blieb, absolvierte in der Aufstiegssaison 27 der 34 Zweitligaspiele, und im Sommer darauf — nach dem Aufstieg, nicht davor — bekam er die Binde. Wer die fünf Jahre als Kapitän würdigen will, sollte diesen Sommer 2021 mit erzählen. Sonst fehlt der Geschichte ihr Wendepunkt.
Seit dem Sommer 2022 trägt Friedl die Binde. Am 20. August 2026 hat der Verein bestätigt, dass das auch in dieser Saison so bleibt. Daniel Thioune sagte dazu:
„Marco Friedl ist und bleibt unser Mannschaftskapitän. Wir haben noch einmal über die Erwartungen gesprochen. Er hat diese Rolle in den vergangenen Jahren sehr verantwortungsvoll ausgefüllt."
Bemerkenswert an dieser Mitteilung ist auch, was sie sonst noch sagt: Thioune will zunächst keinen förmlichen Mannschaftsrat bilden, sondern eine Führungsgruppe wachsen lassen. Friedl bleibt dabei die erste Anlaufstelle. Das ist eine Rolle, die über das Losentscheiden vor dem Anpfiff deutlich hinausgeht.
Eine Binde sagt nichts darüber aus, wie gut eine Mannschaft ist. Aber sie sagt etwas darüber, wie lange jemand eine Verantwortung trägt — und in Friedls Fall waren das vier sehr unterschiedliche Jahre:
| Saison | Platz | Punkte | Tore |
|---|---|---|---|
| 2022/23 | 13. | 36 | 51:64 |
| 2023/24 | 9. | 42 | 48:54 |
| 2024/25 | 8. | 51 | 54:57 |
| 2025/26 | 15. | 32 | 37:60 |
Drei Jahre nach oben, dann ein scharfer Einbruch. Wer die Binde trägt, bekommt beides zugeschrieben — die 51 Punkte genauso wie die 32. Interessant ist deshalb weniger, was in diesen vier Zeilen steht, sondern dass Friedl nach dem schlechtesten dieser Jahre weiterhin Kapitän ist. Der Verein hat sich das im August 2026 ausdrücklich überlegt und sich dafür entschieden.
| Wettbewerb | Spiele | Tore |
|---|---|---|
| Bundesliga | 187 | 3 |
| 2. Bundesliga | 27 | 4 |
| DFB-Pokal | 15 | 1 |
| Relegation | 2 | 0 |
| Zusammen | 231 | 8 |
Zwei Zahlen in dieser Tabelle werden oft falsch wiedergegeben, auch von uns in einer früheren Fassung dieses Textes. Wer 188 Bundesligaspiele liest, hat Friedls einzigen Bundesligaeinsatz für den FC Bayern mitgezählt; für Werder sind es 187. Und wer bei 230 Pflichtspielen landet, hat die beiden Relegationsspiele 2020 gegen den 1. FC Heidenheim vergessen — für einen Spieler mit inzwischen 231 Werder-Pflichtspielen sind gerade die keine Fußnote.
Unsere Datenbank reicht bis zur Saison 2024/25 zurück und enthält jedes Tor mit Schütze und Minute. Für Marco Friedl finden sich darin genau zwei Einträge — und der eine davon ist keiner, den man sich aussucht:
| Datum | Partie | Ergebnis | Treffer |
|---|---|---|---|
| 25.01.2025 | Borussia Dortmund – Werder | 2:2 | 51. Minute, Eigentor |
| 29.11.2025 | Werder – 1. FC Köln | 1:1 | 22. Minute, Führungstreffer |
Beide Male ging das Spiel unentschieden aus, beide Male war sein Treffer der Anfang der Geschichte und nicht ihr Ende. Der Führungstreffer gegen Köln am 29. November 2025 blieb Werders einziges Tor des Abends.
Wer Friedl zum ersten Mal bewusst zusieht, wartet auf etwas, das nicht kommt. Kein Antritt, der einen Flügelstürmer stehen lässt, kein Grätschen-Feuerwerk, keine Kopfballtore nach Ecken. Friedl verteidigt eine Halbseite, nicht eine Szene.
Das ist keine Spielweise, die Höhepunkte produziert. Sie produziert Spiele, in denen über die linke Innenverteidigung hinterher nicht gesprochen wird. Für einen Verein, dessen letzte Jahre reich an Aufregung waren, ist das kein kleiner Beitrag.
Im Mai 2026 wurde Friedl für Österreichs WM-Kader nominiert. Er nannte das „ein absolutes Highlight meiner Karriere" — und das ist keine Floskel: Für die Europameisterschaft 2021 war er zwar ebenfalls nominiert, kam dort aber nicht zum Einsatz.
Diesmal kam er. Nach dem 3:1 zum Auftakt gegen Jordanien, bei dem er noch zusah, wurde er im zweiten Gruppenspiel in der 67. Minute für David Alaba eingewechselt. Ausgerechnet gegen Titelverteidiger Argentinien gab er damit sein WM-Debüt.
| Datum | Partie | Ergebnis | Friedl |
|---|---|---|---|
| 17.06.2026 | Österreich – Jordanien | 3:1 | ohne Einsatz |
| 22.06.2026 | Argentinien – Österreich | 2:0 | 67. Minute für David Alaba — WM-Debüt |
| 28.06.2026 | Algerien – Österreich | 3:3 | ohne Einsatz |
| 02.07.2026 | Spanien – Österreich (Sechzehntelfinale) | 3:0 | ohne Einsatz |
Das Weiterkommen sicherte Sasa Kalajdzic in der 96. Minute gegen Algerien. Im Sechzehntelfinale war dann Schluss: 3:0 für Spanien am 2. Juli im SoFi Stadium bei Los Angeles. Friedl saß neunzig Minuten auf der Bank; von den Bremer Spielern stand nur Romano Schmid in der Startelf und wurde nach einer Stunde ausgewechselt.
Unterm Strich also ein Einsatz bei diesem Turnier — und trotzdem der Satz, der in jeder Biografie stehen bleibt: Marco Friedl hat bei einer Weltmeisterschaft gespielt.
Wenn man einen einzigen Moment sucht, der diesen Spieler erklärt, dann liegt er nicht in einem Tor. Er liegt in der 98. Minute des 19. April 2025.
Werder führte gegen den VfL Bochum 1:0, Mitchell Weiser hatte in der Schlussphase getroffen, und die Nachspielzeit war längst überzogen, als Moritz Broschinski frei vor dem Bremer Tor auftauchte. Friedl kam von hinten, ging in die Grätsche und holte den Ball. Gefeiert wurde die Szene anschließend wie ein Tor — vom Stadion, von der Mannschaft, von ihm selbst.
Sein eigener Kommentar hinterher war zweigeteilt, und genau das macht ihn interessant. Auf der einen Seite die schlichte Beschreibung dessen, was in so einem Moment übrig bleibt: „all or nothing". Auf der anderen Seite der Satz eines Kapitäns, der sich mit dem Applaus nicht zufriedengibt: „Ich muss mir die Szene aber nochmal anschauen, denn das darf uns in dieser Situation nicht passieren."
Ein Innenverteidiger, der eine gefeierte Rettungstat als Fehler der eigenen Mannschaft einordnet, während um ihn herum noch gejubelt wird — mehr Steckbrief geht in einem Satz nicht.
Und es gibt dazu passend diesen einen Satz aus dem Frühjahr 2025, als er verlängerte: „Wir haben uns als Team in den vergangenen Jahren immer weiterentwickelt, da geht aber auch noch mehr." Kein großes Wort, keine Ansage. Nur die Feststellung, dass es noch nicht fertig ist.
In Kirchbichl im Tiroler Unterland, Österreich, am 16. März 1998. Er ist damit 28 Jahre alt.
Inzwischen vor allem in der Innenverteidigung, dort auf der linken Seite. Begonnen hat er als linker Verteidiger; sein starker Fuß ist der linke, seine Größe 1,87 Meter.
Seit Januar 2018, zunächst als Leihspieler vom FC Bayern München, später fest verpflichtet. Die Saison 2026/27 ist seine neunte im Verein.
Seit dem Sommer 2022, also nach dem Aufstieg und nicht davor. 2026/27 ist seine fünfte Saison mit der Binde; der Verein hat das am 20. August 2026 ausdrücklich bestätigt.
Bis zum Sommer 2028. Verlängert wurde im April 2025.
231 Pflichtspiele: 187 in der Bundesliga, 27 in der 2. Bundesliga, 15 im DFB-Pokal und 2 in der Relegation 2020. Sein einziges Bundesligaspiel für den FC Bayern München ist darin nicht enthalten.
Acht nach der Zählung des DFB-Datencenters: drei in der Bundesliga, vier in der 2. Bundesliga, eines im DFB-Pokal. Andere Seiten nennen neun; die Abweichung betrifft die Bundesliga.
Ja, mit Österreich, und es war seine erste Weltmeisterschaft. Zum Einsatz kam er einmal: am 22. Juni 2026 gegen Argentinien, in der 67. Minute eingewechselt für David Alaba. Gegen Jordanien, gegen Algerien und im Sechzehntelfinale gegen Spanien am 2. Juli spielte er nicht.
Ja. Nach dem Abstieg 2021 wollte er nach damaligen Berichten einen Wechsel zu Union Berlin erzwingen und verweigerte zeitweise den Einsatz. Der Transfer kam nicht zustande; er blieb, machte 27 Zweitligaspiele in der Aufstiegssaison und wurde im Sommer darauf Kapitän.