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Bittere Pleite in Leverkusen: Werder bleibt im Tabellenkeller stecken
Die Negativserie geht weiter! Auch bei Bayer Leverkusen konnten unsere Grün-Weißen nicht punkten. Trotz einer ordentlichen Leistung und leidenschaftlichem Einsatz verlor Werder mit 0:1 – das achte Spiel in Folge ohne Sieg. Die Lage wird immer brenzliger.
Es sollte die Wende werden, doch es wurde wieder einmal eine Geschichte von vergebenen Chancen, fehlender Durchschlagskraft und am Ende leeren Händen. Mit langen Gesichtern und hängenden Köpfen traten unsere Jungs nach dem Schlusspfiff vor die mitgereiste Fankurve in der BayArena. Schon wieder nicht. Schon wieder kein Punkt. Dabei hatte die Mannschaft von Horst Steffen erneut gezeigt, dass sie kämpfen kann – nur das Ergebnis, das so dringend benötigte Ergebnis, blieb aus.
Guter Start, aber wieder kein Ertrag
Die Anfangsphase hätte kaum besser laufen können. Werder kam griffig und mutig aus den Startlöchern, setzte die verunsicherten Leverkusener früh unter Druck und erspielte sich gleich in der dritten Minute die erste Chance: Jens Stage prüfte nach einem schnell ausgeführten Freistoß Bayer-Keeper Jannes Blaswich. Auch in der fünften Minute ergab sich eine gute Möglichkeit nach einem Konter.
„Ich fand, dass die ersten Minuten echt gut waren“, bestätigte auch Trainer Steffen nach dem Spiel. „Wir haben Druck gemacht und hätten es im Anschluss noch besser ausspielen können.“ Genau das war das Problem: Werder hatte die Chancen, nutzte sie aber nicht. Eine Geschichte, die sich durch die gesamte Partie ziehen sollte.
Bayer hingegen wirkte in dieser Phase alles andere als souverän. Die Werkself, die mit drei Niederlagen im Nacken und dem schlechtesten Pflichtspiel-Jahresstart seit 1979 in die Partie gegangen war, tat sich gegen die kompakte Bremer Defensive schwer. Loïc Badé scheiterte aus kurzer Distanz an Mio Backhaus (8.), ein vermeintlicher Treffer von Patrik Schick wurde wegen Handspiels zurückgenommen (12.), und Ernest Poku brachte das Kunststück fertig, aus vier Metern über das leere Tor zu schießen (18.). „Ich glaube, da hat man schon uns allen angemerkt, dass uns gerade nicht alles so leicht von der Hand geht“, gab sogar Bayer-Kapitän Robert Andrich zu.
Der Nackenschlag vor der Pause
Doch dann kam die 37. Minute – und mit ihr der Moment, der das Spiel entscheiden sollte. Nach einem sehenswerten Doppelpass steckte der auffällige Ibrahim Maza den Ball auf Lucas Vazquez durch, der eiskalt ins lange Eck einschob. Das erste Bundesliga-Tor für den fünfmaligen Champions-League-Sieger, und ausgerechnet gegen uns. Ein Treffer, der vermeidbar gewesen wäre. „Beim Gegentor müssen wir uns den Vorwurf machen, dass wir nicht eng genug dran waren“, analysierte Geschäftsführer Clemens Fritz selbstkritisch.
Dabei hätte Werder beinahe postwendend geantwortet: Justin Njinmah köpfte in der 41. Minute aus zwölf Metern an den Pfosten – so nah dran am Ausgleich! Auch auf der Gegenseite klatschte der Ball noch ans Aluminium, als Maza kurz vor der Pause mit einem Knaller aus dem Stand den linken Pfosten traf (45.+1). „Wenn wir das 1:1 machen, wäre ich gespannt gewesen, wie es weiterläuft“, sagte Steffen. So aber ging es mit einem 0:1-Rückstand in die Kabinen.
Zu harmlos im entscheidenden Moment
Die zweite Halbzeit begann ausgeglichen. Romano Schmid versuchte es mit einem geblockten Schuss (49.), auf der Gegenseite parierte Backhaus gegen Alejandro Grimaldo (50.). Doch dann zog sich Leverkusen immer weiter zurück, stellte sich mit einer Fünferkette tief in die eigene Hälfte und überließ Werder das Feld.
Genau das war das Problem: Werder hatte zwar Ballbesitz, wusste damit aber viel zu wenig anzufangen. Die Räume waren eng, die Leverkusener Defensive kompakt. „Leverkusen hat in der zweiten Halbzeit tief verteidigt, wir mussten immer wieder komplett durchspielen“, erklärte Stage die Schwierigkeiten. Die entscheidende Durchschlagskraft, der letzte Pass, der zwingende Abschluss – all das fehlte.
„Wir haben es da nicht hinbekommen, im Sechzehner die letzte Gefahr auszustrahlen, sodass wir unterm Strich zu harmlos waren, um einen Punkt mitzunehmen“, fasste Kapitän Marco Friedl die Problematik zusammen. Auch Torhüter Mio Backhaus, der ansonsten einen soliden Auftritt bot, sprach von einer „anderen Art von Enttäuschung“: „Wenn du ein gutes Gefühl hast und verlierst – heute war es in jedem Fall das Letztere und das ist gerade kein schönes Gefühl. Im letzten Drittel hat aber der Punch gefehlt.“
Trainer Steffen brachte mit Jovan Milosevic und Keke Topp noch zwei weitere Stürmer, doch anders als beim wilden 3:3 im Hinspiel wollte der späte Ausgleich dieses Mal nicht gelingen. Die beste Chance in Halbzeit zwei? Fehlanzeige. Leverkusen brachte die knappe Führung ohne größere Probleme über die Zeit.
Die Lage wird ernst
Mit dieser Niederlage wartet Werder nun seit acht Bundesliga-Spielen auf einen Sieg. Acht Spiele! Der Vorsprung auf den Relegationsplatz ist auf nur noch drei Punkte geschmolzen. Die Tabellensituation ist ernst, sehr ernst sogar. „Wir können alle die Tabelle lesen“, betonte Clemens Fritz. „Wenn du unten drinstehst, musst du dich wieder herausarbeiten. Das ist eine herausfordernde Situation, heute mit leeren Händen nach Hause zu fahren, das tut weh.“
Erschwerend kommt hinzu, dass die Personalsituation in der Defensive angespannt bleibt. Amos Pieper musste bereits in der 15. Minute mit einer Knieverletzung vom Platz. Mit Stark und Wöber fallen ohnehin schon zwei wichtige Verteidiger aus. Und als wäre das nicht genug, holte sich Marco Friedl seine fünfte Gelbe Karte ab und wird im nächsten Spiel fehlen.
Hoffnung trotz Krise
Und doch gibt es Lichtblicke, an die sich die Verantwortlichen klammern. „Ich sehe, was die Jungs liefern und welche Qualität sie haben“, betonte Steffen. „Wenn wir so weiterspielen, bin ich mir sicher, dass es eine Frage der Zeit ist, dass die Ergebnisse kommen.“ Auch Fritz sieht eine Mannschaft, „die Gas gibt, will und auch den Bock wieder umstoßen wird.“
Die Leistung stimmte in Leverkusen weitestgehend. Werder war griffig, kämpferisch präsent und über weite Strecken ebenbürtig. „Das Spiel und die Leistung war okay – normalerweise können wir mit dem Spiel zufrieden sein“, sagte Stage. Doch in der Bundesliga zählen am Ende nur Punkte, keine moralischen Siege. „Dass wir aber mit null Punkten dastehen, ist ein scheiß Gefühl“, brachte es der Däne auf den Punkt.
Jetzt muss die Wende her
Die nächsten Spiele werden richtungsweisend. Am Dienstag steht das Nachholspiel gegen 1899 Hoffenheim im Weserstadion an – eine Chance auf Bonuspunkte gegenüber der Konkurrenz. „Wir müssen jetzt einen Haken daran machen und den Kopf aufrichten“, forderte Steffen. Am Samstag folgt dann das Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach.
Mit dem Weserstadion im Rücken und der Unterstützung unserer fantastischen Fans muss jetzt die Wende gelingen. Die Qualität ist in der Mannschaft vorhanden, das hat auch die Leistung in Leverkusen gezeigt. Jetzt muss diese Qualität endlich in Punkte umgemünzt werden. Die Zeit drängt, die Lage ist ernst – aber aufgeben ist keine Option. Lebenslang Grün-Weiß, gerade in schweren Zeiten!
Auf geht’s, Werder! Dienstag gegen Hoffenheim muss der erste Schritt raus aus der Krise gelingen!**
Die Fakten zum Spiel
Bayer 04 Leverkusen – SV Werder Bremen 1:0 (1:0)
Tor: 1:0 Vazquez (37.)
Zuschauer: 30.210 (ausverkauft)
Gelbe Karten:
Friedl (5. Gelbe Karte – gesperrt für nächstes Spiel), Malatini, Deman
Rote Karten: Keine
Besondere Vorkommnisse:
– Pieper musste verletzungsbedingt in der 15. Minute ausgewechselt werden (Knieverletzung)
– Mbangula fehlte aus „privaten Gründen“ im Kader
– Aluminium-Treffer: Njinmah (41., Pfosten), Maza (45.+1, Pfosten)
Tabellensituation:
SV Werder Bremen: Platz 15 mit 18 Punkten
Abstand zum Relegationsplatz: 3 Punkte
Serie: 8 Bundesliga-Spiele ohne Sieg für Werder Bremen
Nächstes Spiel:
Dienstag, 27.01.2026, 20:30 Uhr – SV Werder Bremen vs. 1899 Hoffenheim (H)
