Werder Bremen – Borussia Mönchengladbach | Bundesliga | 1:1

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Keke Topp als Retter in höchster Not – Werder erkämpft sich dramatisches Remis gegen Gladbach

Ein Punkt, der sich wie ein Sieg anfühlt: In der vierten Minute der Nachspielzeit erlöste Joker Keke Topp die Grün-Weißen mit einem Traumtor zum 1:1 gegen Borussia Mönchengladbach. Nach zehn sieglosen Spielen in Folge verhinderte der Youngster zumindest den Absturz auf den Relegationsplatz – doch die Krise ist noch lange nicht überwunden.

Das Weserstadion bebte, als Keke Topp in der 94. Minute mit einem satten Linksschuss ins rechte obere Eck den erlösenden Ausgleich erzielte. 41.800 Fans im ausverkauften Weserstadion sprangen von ihren Sitzen, Trainer Horst Steffen ballte die Fäuste, und die Spieler lagen sich in den Armen. Ein Punkt, der unter normalen Umständen kaum erwähnenswert wäre, fühlte sich an diesem grauen Samstagnachmittag an wie ein kleiner Sieg. Denn dieser eine Zähler bedeutet: Werder steht nicht auf dem Relegationsplatz, sondern auf Rang 14 mit 19 Punkten – wenn auch nur mit einem Punkt Vorsprung auf die Abstiegszone.

Eine erste Halbzeit zum Vergessen

Von Beginn an war beiden Mannschaften die angespannte Situation anzumerken. Werder, seit neun Spielen ohne Sieg, traf auf eine Borussia, die aus den letzten sechs Partien nur einen Dreier holte. Das Resultat: Ein vorsichtiges Abtasten, bei dem beide Teams mehr darauf bedacht waren, nichts zuzulassen, als selbst Akzente zu setzen. Die Gladbacher, bei denen Trainer Eugen Polanski nach dem 0:3 gegen Stuttgart drei Änderungen in der Startelf vornahm (Chiarodia, Engelhardt und Netz für Takai, Ullrich und Machino), versuchten es zunächst über Honorat (4.) und Reitz (14.), blieben aber harmlos.

Werder bemühte sich zwar um Spielkontrolle, doch die Fohlen machten die Räume eng und zogen sich tief in die eigene Hälfte zurück. Die Steffen-Elf, bei der Kapitän Marco Friedl nach abgesessener Gelbsperre und Samuel Mbangula erstmals seit dem 14. Spieltag wieder in der Startelf standen, fand kaum Lücken. Die beste Chance der ersten 45 Minuten gehörte Justin Njinmah, der nach einem schönen Pass von Mbangula an Gladbach-Keeper Moritz Nicolas scheiterte, der die kurze Ecke zumachte (20.).

Die Statistik unterstrich die Harmlosigkeit beider Teams: 0,2 xGoals für Bremen, 0,09 für Gladbach – mehr gibt es zur ersten Halbzeit nicht zu sagen. Schiedsrichter Felix Zwayer pfiff auf die Sekunde pünktlich zur Pause, und die Fans dürften erleichtert gewesen sein, zumindest kurz durchatmen zu können.

Werder drückt, Gladbach trifft eiskalt

Nach dem Seitenwechsel zeigte sich ein anderes Bild. Die Grün-Weißen kamen mit deutlich mehr Schwung aus der Kabine und machten sofort Druck. Yukinari Sugawara zwang Nicolas zunächst mit einem strammen Fernschuss zu einer Glanztat (47.), verpasste dann nach einer Ecke freistehend am zweiten Pfosten nur knapp (49.). Auch Njinmah versuchte es mit einem Flachschuss von der Strafraumgrenze (53.). Werder drängte die Gäste tief in die eigene Hälfte und schien dem Führungstreffer nahe.

Doch dann kam der Schock aus dem Nichts. Ein Ballverlust an der Mittellinie leitete einen Gladbacher Konter ein. Über Reitz wurde Honorat steil geschickt, der 29-Jährige zog in den Strafraum und legte mustergültig in die Mitte zu Haris Tabakovic, der eiskalt zum 0:1 einschob (61.). Es war bereits der zehnte Saisontreffer für den Gladbacher Torjäger – und ein Nackenschlag für Werder, das in dieser Phase die klar bessere Mannschaft war.

Schlussoffensive mit dem Mut der Verzweiflung

Die Reaktion der Bremer ließ ein wenig auf sich warten, doch in der Schlussphase warf die Steffen-Elf alles nach vorne. Es entwickelte sich eine regelrechte Belagerung des Gladbacher Strafraums. Der eingewechselte Marco Grüll köpfte knapp vorbei (81.), Isaac Schmidt scheiterte an Nicolas (83.), und Senne Lynen traf mit einem satten Fernschuss nur den Pfosten (84.). Auch Olivier Deman fand in Nicolas seinen Meister (88.). Die Borussen verteidigten mit Mann und Maus, warfen sich in jeden Schuss.

Auf der Gegenseite verpasste der eingewechselte Shuto Machino in der Nachspielzeit die Vorentscheidung, als er am herauseilenden Mio Backhaus scheiterte (90.+2). Diese Nachlässigkeit sollte sich rächen. Nur zwei Minuten später folgte die Erlösung: Nach einer Ecke kam der Ball zu Keke Topp, der erst in der 89. Minute eingewechselt worden war. Der Youngster zögerte nicht und jagte das Leder mit seinem linken Fuß unhaltbar ins rechte obere Eck. Das Weserstadion explodierte, die Bank stürmte auf den Platz, und selbst der sonst so zurückhaltende Horst Steffen ließ seinen Emotionen freien Lauf.

Steffen kämpft um seinen Job

„Besser als kein Punkt“, sagte Matchwinner Topp nach dem Spiel, „positiv ist, dass wir nicht aufgegeben haben.“ Tatsächlich war dieser Punkt das Maximum dessen, was Werder an diesem Tag mitnehmen konnte – und gleichzeitig das Minimum dessen, was nötig war, um nicht noch tiefer in die Krise zu rutschen.

Für Trainer Horst Steffen bleibt die Situation dennoch prekär. Zehn Spiele ohne Sieg – so eine lange Durststrecke gab es seit dem Wiederaufstieg 2022 nicht. Die Partie gegen Gladbach galt bereits als eine Art Endspiel für den 56-Jährigen, und auch wenn der späte Ausgleich ihm etwas Luft verschafft, ist seine Zukunft alles andere als gesichert. „Ich freue mich auf eine weitere Zusammenarbeit und hoffe, dass die noch lange geht. Ich gehe davon aus, dass ich Werder-Trainer bin und bleibe“, sagte Steffen nach dem Spiel kämpferisch.

Sport-Geschäftsführer Clemens Fritz ließ die Zukunft des Trainers jedoch bewusst offen. „Wir haben zehn Spiele nicht gewonnen, es ist natürlich klar, dass wir uns erstmal hinsetzen und das besprechen müssen“, sagte er bei Sky Sport. Ein klares Bekenntnis zu Steffen vermied Fritz auch auf Nachfrage: „Wir müssen das erstmal sacken lassen und dann analysieren wir das zusammen. Es ist wichtig, dass wir das erstmal für uns einordnen.“

Das große Problem: Die Offensive

Das Hauptproblem der Grün-Weißen ist und bleibt die Offensive. In sechs Spielen vor dem Gladbach-Duell blieb Werder fünfmal ohne eigenen Treffer. Auch gegen die Fohlen fehlte es trotz zahlreicher Chancen in der zweiten Halbzeit an der nötigen Durchschlagskraft und Präzision. Zu oft wurden gute Ansätze nicht zu Ende gespielt, zu selten kamen die Bremer zu wirklich zwingenden Abschlüssen. Dass es am Ende doch noch zum Ausgleich reichte, war vor allem dem unbedingten Willen und einer Portion Glück geschuldet.

Gladbachs Trainer Eugen Polanski haderte nach dem Spiel mit dem späten Gegentreffer: „Wir haben in Bremen einen Punkt geholt. Am Ende ist der Zeitpunkt des Gegentreffers natürlich maximal unglücklich. Ich habe aber eine Mannschaft gesehen, die Haltung gezeigt und die sehr wenig zugelassen hat.“ Das Unentschieden sei am Ende „verdient“ gewesen – eine Einschätzung, die angesichts der Bremer Überlegenheit in der zweiten Halbzeit durchaus zutrifft.

Ausblick: Schwere Aufgaben warten

Für Werder geht es nun am kommenden Samstag auswärts beim SC Freiburg weiter (15.30 Uhr). Die Breisgauer sind traditionell ein unangenehmer Gegner, und das Schwarzwald-Stadion ist selten ein guter Ort für kriselnde Teams. Steffen und seine Mannschaft werden sich deutlich steigern müssen, um dort etwas Zählbares mitzunehmen. Die Gladbacher bestreiten etwas später das Topspiel des 21. Spieltags am Samstagabend gegen Bayer 04 Leverkusen (18.30 Uhr).

Der Punkt gegen Gladbach ist ein kleines Lebenszeichen, mehr aber auch nicht. Werder hat gezeigt, dass der Kampfgeist noch da ist, dass die Mannschaft nicht aufgibt. Doch das allein wird nicht reichen, um aus der Abstiegszone herauszukommen. Es braucht endlich wieder einen Sieg, es braucht Tore, und es braucht vor allem Konstanz über 90 Minuten. Keke Topp hat der Mannschaft mit seinem Traumtor etwas Zeit verschafft – nun müssen Steffen und seine Spieler diese Zeit nutzen.

Faktenübersicht: Werder Bremen 1:1 Borussia Mönchengladbach

Datum: Samstag, 01.02.2025, 20. Bundesliga-Spieltag
Stadion: Weserstadion Bremen
Zuschauer: 41.800 (ausverkauft)
Schiedsrichter: Felix Zwayer

Tore:
0:1 Haris Tabakovic (61.)
1:1 Keke Topp (90.+4)

Aufstellungen:

SV Werder Bremen: Backhaus – Malatini (75. Schmidt), Friedl, Coulibaly – Sugawara (64. Grüll), Lynen, Stage, Deman – Schmid, Mbangula (89. Topp) – Njinmah (64. Milošević)

Borussia Mönchengladbach: Nicolas – Sander (69. Friedrich), Elvedi, Chiarodia – Scally (84. Castrop), Engelhardt, Netz – Reitz, Neuhaus (57. Stöger) – Honorat, Tabakovic (84. Machino)

Gelbe Karten: – / Reitz

Wichtige Statistiken:
– Werder Bremen nun seit 10 Spielen ohne Sieg (längste Serie seit Wiederaufstieg 2022)
– In 5 von 6 Spielen vor diesem Duell blieb Werder ohne eigenen Treffer
– Tabakovic erzielte sein 10. Saisontor
– Topp wurde erst in der 89. Minute eingewechselt und traf in der 94. Minute
– Werder auf Platz 14 mit 19 Punkten, nur 1 Punkt Vorsprung auf Relegationsplatz 16
– Gladbach auf Platz 12 mit 21 Punkten

Nächste Spiele:
– Werder Bremen: Auswärts beim SC Freiburg (Samstag, 07.02., 15.30 Uhr)
– Borussia Mönchengladbach: Heimspiel gegen Bayer 04 Leverkusen (Samstag, 07.02., 18.30 Uhr)

Fazit: Ein hart erkämpfter Punkt, der Werder vor dem Absturz auf den Relegationsplatz bewahrt. Die Krise ist jedoch noch nicht überwunden, die Zukunft von Trainer Horst Steffen bleibt ungewiss.

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