Lüneburger SK Hansa – Werder Bremen 0:3 | DFB-Pokal | Nachbericht
Werder Bremen gewinnt 0:3 beim LSK Hansa und zieht in die 2. Pokalrunde ein. Tore von Stage, Füllkrug und Reis vor 29.330 Zuschauern am Millerntor.
Souverän, ohne Glanz, ohne Zittern — Werder gewinnt 3:0 beim LSK Hansa
Grün-weiße Grüße, liebe Werder-Familie!
Es gibt Pflichtspiele, die man gewinnen muss, und es gibt solche, die man vor allem überstehen muss. Das Erstrundenspiel beim Lüneburger SK Hansa gehörte in beide Kategorien — und am Ende des Samstagnachmittags stand ein Ergebnis, über das in vierzehn Tagen niemand mehr reden wird. Genau das war der Plan.
0:3 hieß es nach 90 Minuten im Millerntor-Stadion, und diese drei Tore erzählen die Geschichte des Spiels ziemlich genau: eines nach elf Minuten, als der Außenseiter noch sortierte. Eines vom Punkt, als die Partie längst in eine Richtung lief. Und eines in der 76. Minute, als es nur noch um die Höhe ging. Dazwischen: viel Werder-Ballbesitz, wenig Werder-Durchschlagskraft, ein tapferer Gegner und eine Halbzeitpause, die länger dauerte als vorgesehen — wegen eines Lochs im Tornetz.
| Wettbewerb | DFB-Pokal 2026/27, 1. Hauptrunde |
| Ergebnis | Lüneburger SK Hansa – SV Werder Bremen 0:3 (0:1) |
| Anstoß | Samstag, 22.08.2026, 15:30 Uhr |
| Ort | Millerntor-Stadion, Hamburg |
| Zuschauer | 29.330 — ausverkauft |
| Schiedsrichterin | Fabienne Michel |
| Assistenten | Nikolai Kimmeyer, Philipp Hofheinz — Vierter Offizieller: Niclas Rose |
| Karten | Gelb: Füllkrug (44.) — sonst keine |
Die erste Halbzeit: früh geführt, dann verwaltet
Werder brauchte 22 Sekunden für den ersten Abschluss — Ludovít Reis zog aus der Distanz ab und setzte den Ball über das Tor. Es war die Ankündigung dessen, was die nächste Viertelstunde bringen sollte: eine Mannschaft, die sofort klarmachte, dass sie hier keine Verlängerung erleben wollte.
In der 11. Minute war es dann so weit, und zwar nach einem Standard: Olivier Deman brachte den Ball von links in den Strafraum, Jens Stage kam mit dem Kopf durch und traf zum 0:1. Kapitän Marco Friedl hat die Entstehung nach dem Spiel selbst als Standardsituation eingeordnet — was den Treffer nicht kleiner macht, aber viel über die erste Halbzeit sagt: Aus dem Spiel heraus kam Werder kaum durch.
Danach hätte die Partie kippen können — in Richtung Schützenfest. Sie kippte nicht. Niclas Füllkrug köpfte in der 13. Minute über das Tor, Senne Lynen zielte in der 31. Minute aus 22 Metern zu ungenau, Justin Njinmah kam in der 38. Minute nicht sauber zum Abschluss, und Demans Versuch in der Nachspielzeit der ersten Hälfte entschärfte LSK-Torhüter Arne Exner. Werder spielte den Ball, aber der Ball ging nicht ins Tor.
Der LSK wiederum tat das, was ein Fünftligist in so einem Spiel tun muss: kompakt stehen, die Räume eng halten, den Gegner im Aufbau stören, wo es geht. Torschüsse in Halbzeit eins: null. Das klingt nach Kapitulation, war aber das Gegenteil — es war ein Plan, der den Favoriten 45 Minuten lang weitgehend aus dem Spielfluss hielt. Dass am Ende trotzdem ein Rückstand stand, gehört zur ehrlichen Bilanz dazu.
| Minute | Stand | Torschütze | Entstehung |
|---|---|---|---|
| 11. | 0:1 | Jens Stage | Kopfball nach Standard, hereingebracht von Deman |
| 53. | 0:2 | Niclas Füllkrug | Foulelfmeter, nach Foul an Stage |
| 76. | 0:3 | Ludovít Reis | Abschluss von der Strafraumkante, abgefälscht |
Die Pause, die etwas länger dauerte
Zur Halbzeit passierte dann etwas, das man in keiner Statistik findet: Im Tornetz klaffte ein Loch. Der Wiederanpfiff verzögerte sich um einige Minuten, weil das Netz mit Leiter und Klebeband geflickt werden musste. Ein Pokalnachmittag im besten Sinne — ein Bundesligist, ein Oberligist, ein fremdes Stadion und eine Reparatur mit Bordmitteln.
Auf dem Platz nutzte Werder die Pause anders. Für Senne Lynen und Samuel Mbangula kamen Chuki und Paul Erevbenagie — zwei frische Spieler für mehr Tempo im letzten Drittel. Es dauerte nicht lange, bis das Wirkung zeigte.
Die zweite Halbzeit: der Elfmeter, dann die Entscheidung
In der 53. Minute setzte sich Jens Stage im Strafraum durch und wurde gefoult. Den fälligen Elfmeter verwandelte Niclas Füllkrug — vier Tage nach seiner Rückkehr von West Ham United, im ersten Pflichtspiel — und direkt mit dem ersten Treffer. Man muss kein Romantiker sein, um zu merken, dass dieser Moment im Kalender einiger Werder-Fans einen Haken bekommen hat.
Sieben Minuten später war für Füllkrug Feierabend: In der 60. Minute kam Cedric Itten für ihn. Die frühe Auswechslung dürfte vor allem der Belastungssteuerung geschuldet gewesen sein — der Mann war erst wenige Tage zuvor eingestiegen.
Die 76. Minute gehörte dann Ludovít Reis. Sein Abschluss von der Strafraumkante wurde abgefälscht und schlug im langen Eck ein. Für Reis war es das erste Pflichtspieltor im Werder-Trikot — ausgerechnet in Hamburg, wo er zuvor vier Jahre für den HSV gespielt hat. Werder wählte ihn anschließend zum Spieler des Spiels.
Die drei, die getroffen haben
Jens Stage — 11. Minute
Der Däne war der auffälligste Werderaner des Nachmittags: erst das Kopfballtor zur Führung, dann der erkämpfte Elfmeter zum 0:2. In der 84. Minute machte er Feierabend, Salim Musah kam für ihn.
Niclas Füllkrug — 53. Minute
Vier Tage nach dem Wechsel von West Ham United in der Startelf, und sofort getroffen. Dazu die einzige Gelbe Karte des Spiels (44.). Nach 60 Minuten ausgewechselt.
Ludovít Reis — 76. Minute
Premierentreffer im Werder-Trikot — ausgerechnet in Hamburg, seiner langjährigen fußballerischen Heimat. Werder wählte ihn zum Spieler des Spiels.
Die Aufstellungen
| SV Werder Bremen | Lüneburger SK Hansa |
|---|---|
| Schlager — Schmetgens, Pieper, Friedl, Deman — Lynen — Njinmah, Stage, Reis, Mbangula — Füllkrug | Exner — Thinius, Muhlack, Pinto Coelho, Hübner — Kunze, Perera, Gründker, Borges — Scheuer — Dörr |
| Wechsel: 46. Chuki für Lynen, 46. Erevbenagie für Mbangula, 60. Itten für Füllkrug, 73. Grüll für Njinmah, 84. Musah für Stage | Wechsel: 57. Meyer für Dörr, 62. Tappe für Thinius, 62. Weishaupt für Borges, 79. Wolk für Gründker, 79. Ratzeburg für Scheuer |
Was der Nachmittag über Werder sagt
Wenig Neues, und das ist die gute Nachricht. Die Mannschaft hat das getan, was von ihr verlangt war: früh geführt, das Ergebnis nie gefährdet, keine Verletzung, eine einzige Gelbe Karte, fünf Wechsel zur Belastungssteuerung. Es gab keinen Moment, in dem es im Bauch zwickte — abgesehen von dem Pfostenschuss, und der kam bei 0:2.
Trainer Daniel Thioune hat es nach dem Spiel nüchtern eingeordnet: „Wir haben die Pflichtaufgabe erfüllt." Der Gegner sei nahezu chancenlos geblieben, beim Tempo mit Ball sei aber Luft nach oben.
Bemerkenswert ist, dass die Kritik aus der eigenen Mannschaft kam und nicht von außen. Kapitän Marco Friedl nannte die Defensivleistung solide, sagte aber auch, Werder sei mit Ball zu langsam gewesen, habe zu viele Fehler gemacht und sei nur über einen Standard in Führung gegangen. Füllkrug selbst bezeichnete die Partie nicht als sein bestes Spiel und war vor allem froh, doch noch getroffen zu haben. Und Reis, von Werder zum Spieler des Spiels gewählt, verwies darauf, dass zwar jeder ein höheres Ergebnis erwarte, am Ende aber das Weiterkommen zähle.
Das ist eine erwachsene Selbsteinschätzung — und sie deckt sich mit dem, was auf dem Platz zu sehen war. Zwischen der 11. und der 53. Minute lag eine lange Phase, in der Werder den Ball hatte, aber kein Tor.
Bemerkenswert bleibt außerdem die Personalie Füllkrug. Ein Spieler, der erst vier Tage zuvor nach Bremen zurückgekehrt war, steht direkt in der Startelf und trifft. Das sagt etwas über die Erwartungshaltung aus, die ab jetzt an ihm hängt — und über die Lücke, die er füllen soll.
Was der Nachmittag über den LSK sagt
Sportlich verlor der Lüneburger SK Hansa 0:3. Für den Verein war dieser Nachmittag trotzdem weit mehr als ein Ergebnis: vier Spielklassen Unterschied, ein ausverkauftes Millerntor, rund 10.000 eigene Anhänger, viele davon in Weiß, und eine Choreografie auf der Nordtribüne. Dafür fährt ein Oberligist in den DFB-Pokal.
Sportlich stand die Mannschaft von Trainer Tarek Gibbah defensiv über weite Strecken so, wie er es im Interview vor dem Spiel angekündigt hatte: kompakt, mit Rückfall in eine tiefe Kette, mit dem Ziel, die Räume klein zu halten. Dass am Ende nur ein einziger Torschuss heraussprang, ist die andere Seite dieser Rechnung. Nach dem Schlusspfiff feierten beide Fanlager ihre Mannschaften — die einen den Einzug in die zweite Runde, die anderen einen Auftritt, für den sich niemand schämen muss.
Wer wissen will, wie dieser Verein überhaupt in den Pokal gekommen ist — über ein 3:3 im Niedersachsenpokal-Finale und ein Elfmeterschießen, das er mit 7:6 gewann —, findet das in unserem Vorbericht mit dem Interview von Trainer Tarek Gibbah.
Vor dem Spiel: Lüneburger SK Hansa – Werder Bremen | DFB-Pokal | Vorbericht