Lüneburger SK Hansa – Werder Bremen | DFB-Pokal | Vorbericht

Werder Bremen startet beim Fünftligisten LSK Hansa in den DFB-Pokal. Anstoß, Ort – und was uns LSK-Trainer Tarek Gibbah vorab im Interview verraten hat.

Pflichtspielauftakt am Millerntor — Werder gastiert beim Lüneburger SK Hansa

Grün-weiße Grüße, liebe Werder-Familie!

Am Samstag, dem 22. August 2026, wird es endlich wieder ernst. Um 15:30 Uhr beginnt für unseren SV Werder Bremen die Saison 2026/27 — mit der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals beim Lüneburger SK Hansa. Es ist das erste Pflichtspiel nach Wochen der Vorbereitung, und es ist eines von der Sorte, über die hinterher niemand redet, wenn alles gutgeht — und über die wochenlang geredet wird, wenn nicht.

Gespielt wird allerdings nicht in Lüneburg, sondern im Millerntor-Stadion in Hamburg, der Heimat des FC St. Pauli. Der LSK hat Heimrecht, weicht aber aus: Die eigene Anlage ist für ein Spiel dieser Größenordnung schlicht zu klein. Der Verein wirbt für den Nachmittag mit dem Aufruf „Alle in Weiß zum Millerntor!". Es wird voll, es wird laut, und es wird eine Kulisse, in der sich ein Fünftligist groß fühlen darf.

Ansetzung und Gespann nach dem DFB-Datencenter, Stand 21. August 2026.

Ansetzung und Gespann nach dem DFB-Datencenter, Stand 21. August 2026.

Wettbewerb

DFB-Pokal 2026/27, 1. Hauptrunde

Anstoß

Samstag, 22.08.2026, 15:30 Uhr

Ort

Millerntor-Stadion, Hamburg

Schiedsrichterin

Fabienne Michel

Assistenten

Nikolai Kimmeyer, Philipp Hofheinz — Vierter Offizieller: Niclas Rose

Spielklassen

Oberliga Niedersachsen (5. Liga) gegen Bundesliga (1. Liga) — vier Stufen Abstand

Wie der LSK überhaupt hierhergekommen ist

Der Weg des Lüneburger SK Hansa in den DFB-Pokal ist eine Geschichte, die man sich ausdenken müsste, wenn sie nicht wirklich passiert wäre. Am 23. Mai 2026 stand der LSK im Finale des Niedersachsenpokals — und lag gegen den TuS Bersenbrück nach 37 Minuten 0:3 zurück.

Was dann kam, war eine Aufholjagd über die gesamte zweite Halbzeit: Tjark Dörr traf in der 48. Minute, Bo Weishaupt zwei Minuten später, und in der 81. Minute glich Dörr zum 3:3 aus. Die Verlängerung brachte keine Entscheidung. Im Elfmeterschießen setzte sich Lüneburg mit 7:6 durch — ein Marathon, der irgendwann nur noch aus Nerven bestand.

Es ist der dritte Anlauf des 2008 entstandenen Vereins — und in der Zählung des DFB der vierte Pokalauftritt der Lüneburger überhaupt. Bisher ist noch keiner über die erste Runde hinausgekommen:

Alle bisherigen Erstrundenspiele nach dem DFB-Datencenter.

Alle bisherigen Erstrundenspiele nach dem DFB-Datencenter.

1992/93

0:3 gegen den Karlsruher SC

2008/09

0:5 gegen den VfB Stuttgart — ein Tor davon von Mario Gomez

2017/18

1:3 gegen den 1. FSV Mainz 05, zwischenzeitlich stand es 1:1

Ein Sieg ist also überfällig, und wer auf dem Weg über ein 0:3 im Landespokalfinale hierherkommt, wird am Samstag nicht ehrfürchtig auf dem Platz stehen.

Was uns LSK-Trainer Tarek Gibbah verraten hat

Vor dem Spiel haben wir mit Trainer Tarek Gibbah und Vorstand Raphael Marquardt gesprochen — ausführlich, über mehr als eine Stunde. Das war kein Höflichkeitsgespräch, sondern eines, das erstaunlich tief in die Arbeit eines Oberligisten geführt hat.

Der wichtigste Eindruck vorweg: Hier bereitet sich niemand naiv auf einen Bundesligisten vor. Videoanalyse und ein gegnerbezogener Matchplan gehören beim LSK zum Alltag — auch in der fünften Liga.

Taktisch ist das Grundsystem ein 4-2-3-1, das sich gegen den Ball bis in ein kompaktes 5-4-1 verändern kann. Wer am Samstag einen taktisch naiven Fünftligisten erwartet, dürfte sich täuschen: Der LSK hat klare Strukturen — auch für den Fall, dass er lange ohne Ball auskommen muss.

Über die Kräfteverhältnisse macht sich Gibbah trotzdem keine Illusionen. Vier Spielklassen liegen zwischen den Mannschaften, das weiß er besser als jeder andere. Und trotzdem formuliert er genau die Hoffnung, von der der Pokal lebt: Bei vielleicht einem von hundert Spielen gelinge dem Außenseiter die Sensation — warum also nicht an diesem Samstag?

Am meisten hängengeblieben ist uns der Abschnitt über den Oberliga-Alltag. Bei einem Fünftligisten arbeiten viele Spieler neben dem Fußball. Trainiert wird während der Saison dreimal pro Woche, dazu kommt das Spiel — Belastungssteuerung heißt hier vor allem, sich um Berufe herum zu organisieren. Dass eine solche Mannschaft am Samstag gegen einen Bundesligisten spielt, ist eben kein Betriebsausflug, sondern die Ausnahme eines ganzen Fußballerlebens.

Und dann die Zahl, die das Ausmaß am besten beschreibt: Zum Zeitpunkt unseres Gesprächs waren bereits rund 28.500 Tickets vergeben. Raphael Marquardt nennt die Partie sinngemäß das vielleicht größte Spiel der Lüneburger Sportgeschichte — und beim Blick auf die Finanzen bleibt er nüchtern: kein Lottogewinn, aber ein Schritt nach vorn.

Zwei Lüneburger, die man sich merken sollte

Im Kader des LSK stehen zwei Spieler mit ungewöhnlichen Lebensläufen. Leon Perera ist Nationalspieler — 21 Länderspiele für Sri Lanka, zwei Tore; sein Vater stammt von dort, er besitzt zwei Staatsbürgerschaften. Und Lenny Borges, 25, ist als Kind vom LSK zum HSV gewechselt und 2019 zum AC Mailand gesprungen, hat dort mit Zlatan Ibrahimović trainiert und war an Bayern München II ausgeliehen. Jetzt ist er zurück, wo er angefangen hat.

Es ist genau diese Sorte Geschichte, die den Pokal ausmacht: Am Samstag steht ein Mann auf dem Platz, der schon einmal in Mailand trainiert hat — für einen Verein aus der fünften Liga.

Das vollständige Interview gibt es auf unserem YouTube-Kanal.

Der Transfercoup vor dem Anpfiff: Füllkrug ist zurück

Vier Tage vor dem Pokalspiel hat Werder die Nachricht verkündet, auf die viele lange gehofft hatten: Niclas Füllkrug kehrt zurück. Der 33-Jährige kommt auf Leihbasis von West Ham United, trägt wieder die Nummer 10 und stand am Tag der Bekanntgabe direkt wieder auf dem Trainingsplatz. Für das Pokalspiel ist er spielberechtigt.

Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass Werder für mich ein ganz besonderer Club ist.

Peter Niemeyer ordnet den Wechsel nüchtern ein: „Niclas kennt die Bundesliga und ist für uns in jedem Fall eine Soforthilfe." Trainer Daniel Thioune wird konkreter: „Niclas ist ein klassischer Torjäger, ist körperlich stark, sehr gut im Kopfballspiel."

Genau diese Eigenschaften könnten am Samstag mehr wert sein als jede Spielidee. Gegen einen tief stehenden Gegner entscheidet oft nicht die schönste Kombination, sondern der eine Kopfball nach einer Flanke.

Der Gegner in der Liga: Fehlstart ohne Bedeutung für Samstag

In der Oberliga Niedersachsen ist der LSK mit einem Punkt aus zwei Spielen und 4:5 Toren gestartet und steht damit auf Rang neun. Für dieses eine Spiel spielt das keine Rolle. Ein Pokalspiel gegen einen Bundesligisten ist für einen Oberligisten kein Spiel wie jedes andere, sondern der Nachmittag, von dem man in zwanzig Jahren noch erzählt — und diese Mischung aus nichts zu verlieren und allem zu gewinnen hat im DFB-Pokal schon oft für lange Gesichter bei den Favoriten gesorgt.

Worauf es für Werder ankommt

Das frühe Tor. Nichts nimmt einem Außenseiter so schnell den Glauben wie ein Rückstand in den ersten zwanzig Minuten. Bleibt es dagegen lange 0:0, wächst auf der Gegenseite mit jeder Minute das Gefühl, dass heute etwas möglich ist — und mit ihm die Unruhe auf der Werder-Bank.

Die Standards. Gegen eine tief und diszipliniert stehende Mannschaft sind Ecken und Freistöße oft die verlässlichste Quelle für Tore. Mit Füllkrug hätte Werder für genau diese Situationen wieder einen Mann mehr im Strafraum.

Die zweiten Bälle. Ein 5-4-1 gegen den Ball heißt: zwei kompakte Ketten, wenig Raum zwischen den Linien, und jeder abgewehrte Ball wird zum Angriffsbeginn. Wer da auch nur eine Halbzeit lang nachlässig ist, verliert nicht an der Klasse des Gegners, sondern an der eigenen.

Der Kopf. Es ist das erste Pflichtspiel der Saison. Rhythmus fehlt, Abstimmung fehlt, und die Vorbereitung ist bei allen Vereinen eine andere Welt als ein Wettbewerbsspiel. Genau deshalb sind Pokalüberraschungen fast immer Spiele der ersten Runde.

Fakten auf einen Blick

  • Erstes Pflichtspiel der Saison 2026/27 für Werder Bremen — die Bundesliga beginnt erst danach.

  • Vier Spielklassen Abstand: Bundesliga gegen Oberliga Niedersachsen.

  • Dritter Pokalanlauf des 2008 entstandenen LSK Hansa, in der DFB-Zählung der vierte der Lüneburger — bisher kam keiner über die erste Runde hinaus.

  • Qualifiziert im Niedersachsenpokal am 23.05.2026: nach 0:3 noch 3:3, dann 7:6 im Elfmeterschießen gegen den TuS Bersenbrück.

  • Heimrecht beim LSK, ausgetragen aber im Millerntor-Stadion in Hamburg.

  • Niclas Füllkrug ist seit dem 18. August wieder Werder-Spieler, per Leihe von West Ham United, mit der Nummer 10 und spielberechtigt.

  • Fabienne Michel leitet die Partie.

  • Rund 28.500 Tickets waren zum Zeitpunkt unseres Interviews bereits vergeben.

Unsere Einschätzung

Alles andere als ein Weiterkommen wäre eine Enttäuschung — das muss man so deutlich sagen. Vier Spielklassen Unterschied sind vier Spielklassen Unterschied, und Werder hat den Kader, um dieses Spiel zu gewinnen. Ein Ausscheiden wäre ein Fehlstart, der die Mannschaft sofort unter Druck setzen würde.

Aber souverän ist im Pokal ein Wort, das man sich erst verdienen muss. Die ersten dreißig Minuten werden zeigen, welchen Charakter dieser Nachmittag bekommt. Fällt früh ein Tor, wird es ein ruhiger Arbeitssieg. Fällt es nicht, wird es zäh, laut und unangenehm — und dann braucht es genau die Sorte Stürmer, die Werder sich diese Woche zurückgeholt hat.

Unser Tipp: Lüneburger SK Hansa – Werder Bremen 1:3. Werder bekommt mehr Widerstand, als der Klassenunterschied vermuten lässt, setzt sich am Ende aber durch.

Häufige Fragen zum Spiel

Wann und wo findet das Spiel statt?

Am Samstag, dem 22. August 2026, um 15:30 Uhr im Millerntor-Stadion in Hamburg. Der Lüneburger SK Hansa hat Heimrecht, weicht aber von seiner eigenen Anlage aus.

Wie hat sich der LSK für den DFB-Pokal qualifiziert?

Über den Niedersachsenpokal. Im Finale am 23. Mai 2026 lag Lüneburg gegen den TuS Bersenbrück 0:3 zurück, glich bis zur 81. Minute zum 3:3 aus und gewann das Elfmeterschießen mit 7:6. Für den 2008 entstandenen Verein ist es der dritte Pokalauftritt nach 2008/09 und 2017/18.

Wer trainiert den Lüneburger SK Hansa?

Tarek Gibbah. Wir haben vor dem Spiel ausführlich mit ihm und mit Vorstand Raphael Marquardt gesprochen — das Gespräch gibt es auf unserem YouTube-Kanal.

Kann Niclas Füllkrug schon spielen?

Ja. Der Wechsel ist seit dem 18. August offiziell, Füllkrug ist seitdem im Mannschaftstraining und für das Pokalspiel spielberechtigt. Ob er von Beginn an aufläuft, entscheidet Daniel Thioune.

In welcher Liga spielt der Lüneburger SK Hansa?

In der Oberliga Niedersachsen, der fünften Spielklasse — vier Stufen unter der Bundesliga. Nach zwei Spieltagen der neuen Saison steht der Verein mit einem Punkt auf Platz neun.

Was passiert bei einem Unentschieden?

Im DFB-Pokal gibt es kein Unentschieden. Steht es nach 90 Minuten gleich, folgt die Verlängerung, danach das Elfmeterschießen.

Nach dem Spiel: Lüneburger SK Hansa – Werder Bremen 0:3 | DFB-Pokal | Nachbericht