Werder Bremen – SC Paderborn 07: Vorbericht zum 6. Spieltag
Werder empfängt Aufsteiger Paderborn zum 100. Geburtstag des Weserstadions. Späte Tore, Paderborns Torflaute, Bilanz und Personal — der Vorbericht.
Werder gegen Paderborn: Heimspiel zum 100. Geburtstag des Weserstadions
Viermal ohne Tor: Paderborns Problem liegt im Angriff
Der SC Paderborn spielt zum dritten Mal in der Bundesliga, nach 2014/15 und 2019/20. Der Aufstieg gelang im Mai über die Relegation gegen den VfL Wolfsburg: Nach einem 0:0 im Hinspiel gewann Paderborn das Rückspiel mit 2:1 nach Verlängerung, Laurin Curda traf in der 100. Minute zum Sieg. Trainer ist Ralf Kettemann, der im Sommer 2025 von der U19 des Karlsruher SC kam.
Gegentore hat Paderborn in fünf Spielen sieben kassiert. Das Problem liegt vorn. Drei Tore hat der Aufsteiger erzielt, alle beim 3:1 gegen Hoffenheim durch Santiago Castañeda, Stefano Marino und Steffen Tigges. In den anderen vier Spielen blieb Paderborn ohne Treffer, auswärts gab es bisher ein 0:0 in Mainz und ein 0:3 in Dortmund.
Eine Mannschaft, die sich hinten einigelt, ist Paderborn trotzdem nicht. In der 2. Bundesliga hatte das Team im Schnitt gut die Hälfte des Ballbesitzes und zählte zu den Mannschaften, die am aggressivsten pressten. Kettemann lässt meist mit einer Dreierkette beginnen, gegen den Ball wird daraus oft eine Fünferkette. Im Aufbau lässt sich Castañeda zwischen die Innenverteidiger fallen und verteilt die Bälle.
In der Bundesliga gefällt die Mannschaft spielerisch durchaus, vor dem Tor fehlt aber die Durchschlagskraft, und eigene Fehler wurden bisher oft bestraft. Für Werder heißt das: Ein Gegner, der in fünf Spielen nur dreimal getroffen hat, wirkt auf dem Papier harmlos. Gegen eine Mannschaft, die früh presst, können Ballverluste im eigenen Aufbau aber schnell gefährlich werden.
Kettemann wollte vor dem Spiel nichts zur Startelf sagen. Er kündigte an, es werde nicht viele Veränderungen geben, einzelne seien aber möglich. Für die vier Offensivpositionen hat er die Wahl zwischen zehn Spielern.
| Spieltag | Werder Bremen | SC Paderborn 07 |
|---|---|---|
| 1. | Freiburg – Werder 4:1 | Mainz – Paderborn 0:0 |
| 2. | Werder – Leipzig 3:1 | Paderborn – Freiburg 0:1 |
| 3. | Köln – Werder 1:1 | Dortmund – Paderborn 3:0 |
| 4. | Werder – Augsburg 3:2 | Paderborn – Hoffenheim 3:1 |
| 5. | Dortmund – Werder 2:2 | Paderborn – Stuttgart 0:2 |
| Bilanz | 2–2–1, 10:10, Platz 7 | 1–1–3, 3:7, Platz 15 |
100 Jahre Weserstadion
Am 17. Oktober 1926 wurde das Weserstadion eröffnet. Auf den Tag genau 100 Jahre später spielt Werder dort in der Bundesliga, und der Verein macht den Geburtstag zum Thema des Nachmittags. Die Mannschaft läuft in einem fast vollständig weißen Sondertrikot mit einfarbigem Vereinswappen auf, vor dem Anpfiff gibt es ein Programm mit Auftritten und Interviews im Stadion.
Das Stadion steht für einige der größten Abende der Vereinsgeschichte, etwa das 6:2 gegen Spartak Moskau im UEFA-Pokal 1987 nach einem 1:4 im Hinspiel oder das 5:3 gegen Anderlecht in der Champions League 1993 nach einem 0:3-Rückstand. Erwartet werden am Samstag rund 40.000 Zuschauer, bis zu 2.700 davon aus Paderborn. Eine Tageskasse gibt es nicht.
Der Samstag verbindet diese Vergangenheit mit der Gegenwart. Werder tritt nicht zu einem Freundschafts- oder Jubiläumsspiel an, sondern zu einem Bundesligaspiel, in dem es um drei Punkte geht. Sondertrikot und Rahmenprogramm liefern die Kulisse, sportlich geht es darum, den Heimstart fortzusetzen.
Sportlich passt der Rahmen zur bisherigen Saison: Zu Hause ist Werder ohne Punktverlust, mit dem 3:1 gegen Leipzig und dem 3:2 gegen Augsburg. Sechs Tore in zwei Heimspielen, beide Male drei eigene Treffer.
Seit Freiburg ungeschlagen
Seit der Auftaktniederlage in Freiburg hat Werder kein Bundesligaspiel mehr verloren. Auf den Sieg gegen Leipzig folgten das 1:1 in Köln, die Aufholjagd gegen Augsburg und das späte 2:2 in Dortmund. Aus diesen vier Spielen holte Werder acht Punkte.
Die Punkte kamen auf ganz unterschiedliche Weise zustande. Gegen Leipzig führte Werder früh und baute die Führung aus. In Köln hielt Karl Hein früh einen Elfmeter, Werder geriet trotzdem in Rückstand, und Niclas Füllkrug glich nach einer Ecke aus. Gegen Augsburg wurde aus einem 0:2 ein 3:2, in Dortmund fiel der Ausgleich erst in der Nachspielzeit. In drei dieser vier Spiele lag Werder zurück und verlor keines davon.
Auffällig ist, wann die Tore fallen. Neun der zehn Bundesligatore erzielte Werder nach der Pause, sechs davon ab der 76. Minute. Gegen Augsburg und in Dortmund wurde so aus einem 0:2 noch ein Sieg und ein Unentschieden. Die einzige Ausnahme bleibt Eren Dinkçis Treffer in der 4. Minute gegen Leipzig.
Die Kehrseite: Zehn eigenen Toren stehen zehn Gegentore gegenüber, und Werder hat in allen fünf Spielen mindestens einmal kassiert. Gegen Paderborn, das in vier von fünf Ligaspielen ohne Tor blieb, geht es deshalb nicht nur um den dritten Heimsieg, sondern auch um das erste Spiel der Saison ohne Gegentor. Ein Sieg brächte Werder auf elf Punkte, nach sechs Spieltagen der Vorsaison waren es sieben.
Was Thioune erwartet
Daniel Thioune hat auf der Pressekonferenz vor der Gefahr gewarnt, den Tabellenplatz des Gegners zum Maßstab zu machen. Paderborn habe für einen Aufsteiger viel Qualität, auch Stuttgart habe sich beim 2:0 schwergetan. Ob „Pflichtsieg" das richtige Wort sei, ließ er offen. Gewinnen wolle er das Spiel aber mit aller Macht.
Bei der Aufstellung setzt er vorerst auf Beständigkeit, schließt Änderungen in den kommenden Wochen aber nicht aus.
Eine andere Aufgabe als in Dortmund
In Dortmund arbeitete Werder lange aus einer tiefen Ordnung heraus. Der BVB hatte deutlich mehr vom Ball und kam nach den Werten der Bundesliga auf 2,47 erwartete Tore, Werder auf 1,07. Thiounes Mannschaft verteidigte kompakt und suchte ihre Momente nach Ballgewinnen. Gegen Paderborn wird die Rollenverteilung voraussichtlich eine andere sein: Als Heimteam gegen den Tabellenfünfzehnten dürfte Werder deutlich häufiger selbst das Spiel gestalten müssen.
Wie schwer das sein kann, zeigte das letzte Heimspiel. Gegen Augsburg kam Werder auf 2,81 erwartete Tore, der Gegner auf 0,81, und trotzdem lag die Mannschaft bis zur 66. Minute mit 0:2 zurück. Viele Chancen bedeuten nicht automatisch eine Führung, und ein früher Rückstand gegen einen Aufsteiger kann ein Spiel unangenehm machen.
Ob Paderborn in Bremen so mutig auftritt wie in der 2. Bundesliga, ist offen. Kettemann sprach davon, gegen die Power und die Euphorie des Stadions anzugehen. Presst Paderborn früh, entstehen hinter der ersten Linie Räume, wie Werder sie in Dortmund nach Ballgewinnen gesucht hat. Zieht sich der Aufsteiger zurück, braucht Werder Geduld und saubere Ballzirkulation. Für Werders spielerische Entwicklung ist dieses Spiel deshalb ein anderer Gradmesser als das 2:2 beim BVB.
Zwei von drei Gastspielen in Bremen hat Paderborn gewonnen
Die Bilanz gegen Paderborn ist insgesamt positiv: vier Siege, zwei Unentschieden und zwei Niederlagen in acht Pflichtspielen. Eines der Unentschieden war das Pokalspiel 2022, das Paderborn im Elfmeterschießen gewann. Zu Hause sieht es anders aus. Nur das erste Duell im Weserstadion, im November 2014, gewann Werder mit 4:0. Im Dezember 2019 traf Sven Michel in der 90. Minute zum 1:0 für Paderborn, im August 2021 verlor Werder in der 2. Bundesliga sogar mit 1:4.
Michel steht mit 36 Jahren noch immer im Paderborner Kader, kam in dieser Bundesliga-Saison aber noch nicht zum Einsatz. Das letzte Duell gewann Werder: Im Oktober 2024 setzte sich die Mannschaft in der zweiten Pokalrunde in Paderborn durch Marvin Duckschs Tor mit 1:0 durch.
| Datum | Wettbewerb | Begegnung | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| 29.11.2014 | Bundesliga | Werder – Paderborn | 4:0 |
| 26.04.2015 | Bundesliga | Paderborn – Werder | 2:2 |
| 08.12.2019 | Bundesliga | Werder – Paderborn | 0:1 |
| 13.06.2020 | Bundesliga | Paderborn – Werder | 1:5 |
| 15.08.2021 | 2. Bundesliga | Werder – Paderborn | 1:4 |
| 22.01.2022 | 2. Bundesliga | Paderborn – Werder | 3:4 |
| 19.10.2022 | DFB-Pokal | Paderborn – Werder | 2:2 n. V., 5:4 i. E. |
| 30.10.2024 | DFB-Pokal | Paderborn – Werder | 0:1 |
Wer fehlt, wer zurück ist
Werder muss weiter auf acht Spieler verzichten: Felix Agu, Jens Stage, Justin Njinmah, Salim Musah und Skelly Alvero fehlen mit Muskelverletzungen, Moussa Ndiaye mit Leistenproblemen, Keke Topp nach seinem Kreuzbandriss. Senne Lynen hat nach seinen Beckenproblemen am Freitag wieder voll trainiert, ist für Samstag aber noch kein Thema.
So lang die Liste ist, sie trifft vor allem die Breite des Kaders. Die Startelf, die zuletzt mehrfach unverändert begann, steht zur Verfügung. Enger wird es, wenn sich früh jemand verletzt wie Pieper in Dortmund oder wenn Thioune im Laufe des Spiels personell reagieren will. Dann sind die Optionen begrenzter.
Zurück ist Amos Pieper, der in Dortmund nach 19 Minuten mit Problemen in der Gesäßmuskulatur raus musste. Thioune sieht ihn sofort wieder als Kandidaten für die Startelf. Auch Youri Regeer, in Dortmund mit Verhärtungen im Rücken ausgewechselt, steht zur Verfügung.
Mitchell Weiser bleibt nach seiner langen Kreuzbandpause vorerst eine Option von der Bank. Thioune will an der Startelf, die zuletzt acht Punkte geholt hat, derzeit nichts ändern und sieht in Weisers Kurzeinsätzen den richtigen Weg zurück.
Bei Paderborn fehlen Timur Gayret, der nach seinem Kreuzbandriss im Aufbautraining ist, Nyamekye Awortwie-Grant, der erst wieder Teile des Trainings absolviert, und Sebastian Klaas mit muskulären Problemen.
Wie es weitergeht
Nach dem Heimspiel folgen zwei Auswärtsreisen binnen vier Tagen, darunter das zweite Spiel in Dortmund innerhalb von 18 Tagen.
- Samstag, 17. Oktober, 15:30 Uhr — Werder gegen SC Paderborn 07.
- Samstag, 24. Oktober, 15:30 Uhr — 1. FSV Mainz 05 gegen Werder.
- Dienstag, 27. Oktober, 20:45 Uhr — Borussia Dortmund gegen Werder, 2. Pokalrunde. Live im ZDF.
- Samstag, 31. Oktober, 15:30 Uhr — Werder gegen TSG Hoffenheim.
- Samstag, 7. November, 18:30 Uhr — VfB Stuttgart gegen Werder.
Häufige Fragen
Wann und wo wird gespielt?
Am Samstag, 17. Oktober 2026, um 15:30 Uhr im Weserstadion in Bremen. Es ist der 6. Spieltag der Bundesliga-Saison 2026/27.
Wo läuft Werder gegen Paderborn?
Sky zeigt die Samstagsspiele um 15:30 Uhr, also auch diese Partie. Eine Übertragung im Free-TV gibt es nicht.
Wer pfeift die Partie?
Robert Schröder.
Wie steht es in der Tabelle?
Werder ist Siebter mit acht Punkten und 10:10 Toren. Paderborn steht mit vier Punkten und 3:7 Toren auf Platz 15.
Wie ist die Bilanz gegen Paderborn?
In acht Pflichtspielen gab es vier Werder-Siege, zwei Unentschieden und zwei Niederlagen. Eines der Unentschieden war das Pokalspiel 2022, das Paderborn im Elfmeterschießen gewann. Beide Niederlagen kassierte Werder zu Hause: 0:1 im Dezember 2019 und 1:4 im August 2021.
Wer fehlt bei Werder?
Felix Agu, Jens Stage, Justin Njinmah, Salim Musah, Skelly Alvero, Senne Lynen, Moussa Ndiaye und Keke Topp. Amos Pieper ist wieder dabei.
Warum trägt Werder ein weißes Trikot?
Das Weserstadion wurde am 17. Oktober 1926 eröffnet. Zum 100. Geburtstag spielt Werder in einem Sondertrikot.