Inhaltsverzeichnis
- Die Ausgangslage: mutig statt abwartend
- Schlüsselszene 1: Lynen vergibt, Stage macht es besser
- Schlüsselszene 2: Backhaus rettet vor der Pause
- Die zweite Hälfte: Stuttgarts Ballbesitz, unsere Ordnung
- Schlüsselszene 3: Stages verpasste Chance zur erneuten Führung
- Die Zahlen und die Tabelle
- Die Stimmen zum Spiel
- Fazit und Ausblick
- Die Fakten zum Spiel
Es gibt Punkte, die auf dem Papier unspektakulär aussehen und sich am Ende doch wie ein kleiner Sieg anfühlen. Genau so ein Zähler ist uns am 31. Spieltag in der MHPArena gelungen: Mit einem 1:1 (0:1) beim frisch ins DFB-Pokalfinale eingezogenen VfB Stuttgart haben wir uns dem Klassenerhalt einen entscheidenden Schritt genähert. Und wir dürfen ehrlich sein: Dieser Punkt war hart erarbeitet und deshalb umso wertvoller. Lasst uns gemeinsam auf die Schlüsselszenen, die Zahlen und die Ausgangslage vor den letzten Spieltagen blicken.
Die Ausgangslage: mutig statt abwartend
Man hätte annehmen können, dass wir uns vor über 60.000 Zuschauern gegen einen Champions-League-Anwärter tief in die eigene Hälfte zurückziehen und auf Konter lauern. Doch das Gegenteil war der Fall. In den ersten Minuten waren wir überraschend die bessere und offensivere Mannschaft. Diese mutige Herangehensweise war der Grundstein für einen Auftritt, der uns am Ende einen Punkt einbrachte, den nur wenige Teams an diesem Ort holen.
Der VfB kam drei Tage nach dem emotionalen Pokal-Halbfinale gegen den SC Freiburg (2:1 n.V.) sichtlich schwerer in den Rhythmus. Diese Anfangsphase mussten wir nutzen – und beinahe wäre uns das noch früher gelungen, als es dann ohnehin geschah.
Schlüsselszene 1: Lynen vergibt, Stage macht es besser
Schon in der sechsten Minute hatten wir die erste dicke Möglichkeit. Senne Lynen kam gleich zweimal zum Abschluss: Erst wurde sein Versuch geblockt, dann stand er aus zwölf Metern frei – und schoss über das Tor. Es war die Bestätigung einer kuriosen Statistik: In zuvor 96 Pflichtspielen für Werder hatte der Belgier noch nie getroffen. Auch dieses Mal sollte es nicht sein.
Doch wo der eine scheiterte, war der andere zur Stelle. Zunächst köpfte Jens Stage in der 8. Minute noch neben das Tor, ehe er es kurz darauf deutlich besser machte. In der 18. Minute war es so weit: Nach einem Rückpass und mustergültiger Vorarbeit von Yukinari Sugawara zog Stage flach ins lange Eck ab – 0:1! Für unseren dänischen Mittelfeldmotor war es bereits das zehnte Saisontor.
Wer aufmerksam die letzten Wochen verfolgt hat, den überrascht das nicht: Beim 3:1 im Nordderby gegen den Hamburger SV hatte Stage mit einem Doppelpack den Sieg besorgt. Erneut brachte er uns auf Kurs – und mit dieser Führung waren wir der Rettung ganz nah. Bei einem weiteren Erfolg wäre der Vorsprung auf den Relegationsplatz 16 auf acht Zähler angewachsen und damit wohl uneinholbar gewesen.
Schlüsselszene 2: Backhaus rettet vor der Pause
Natürlich blieb der VfB nicht untätig. Nach dem Rückstand schaltete Stuttgart einen Gang hoch, und in der 22. Minute wurde es erstmals richtig eng: Bilal El Khannouss köpfte aufs Tor, doch Mio Backhaus verhinderte mit einem starken Reflex den Ausgleich. Es war die erste von mehreren wichtigen Aktionen unseres Torhüters, der an diesem Nachmittag zu einer der zentralen Figuren wurde.
Ansonsten gelang es uns lange, den VfB vom eigenen Kasten fernzuhalten. Erst in der Nachspielzeit der ersten Hälfte wurde es noch einmal brenzlig. Nach einem Ballgewinn von Pokalheld Tiago Tomás kam Jamie Leweling aus drei Metern zum Abschluss – doch anders als beim entscheidenden Hackentrick von Tomás gegen Freiburg wurde dieser Versuch von Amos Pieper geblockt (44.). Auch Deniz Undav meldete sich mit einem knapp vorbeigezogenen Schlenzer erstmals an (45.+1). Mit der knappen, aber verdienten Führung ging es in die Kabine.
Die zweite Hälfte: Stuttgarts Ballbesitz, unsere Ordnung
Nach dem Seitenwechsel drehte der VfB die Intensität weiter hoch. Doch bei aller Feldüberlegenheit fehlte den Gastgebern lange der letzte Zug zum Tor. Stuttgart hatte viel Ballbesitz, aber nur wenige wirklich gefährliche Momente – ein Kompliment an unsere kompakte Defensivarbeit.
Bis Sebastian Hoeneß reagierte. Mit Ermedin Demirovic brachte er einen echten Mittelstürmer, und der Bosnier brauchte nur vier Minuten, um seine Klasse unter Beweis zu stellen. Nach einer Flanke von El Khannouss setzte er sich robust im Zentrum durch und köpfte zum 1:1 ein (61.) – ebenfalls sein zehntes Saisontor. Ein bitterer Moment, aber einer, der die Qualität dieser Stuttgarter Offensive verdeutlicht.
Schlüsselszene 3: Stages verpasste Chance zur erneuten Führung
Was viele im Nachhinein übersehen: Wir hätten den Punkt sogar in einen Sieg verwandeln können. In der 71. Minute leistete sich Maximilian Mittelstädt einen groben Fehler, der uns beinahe erneut in Führung gebracht hätte. Ausgerechnet Stage kam an den Ball, konnte den Fauxpas aber nicht nutzen und brachte keinen Druck mehr hinter seinen Abschluss – Alexander Nübel hielt problemlos. So blieb es bei der einen echten Riesenchance auf die erneute Führung.
In der Schlussphase drückte Stuttgart, doch Backhaus blieb der sichere Rückhalt. Einen Freistoß von Badredine Bouanani entschärfte er in der 82. Minute, und auch bei einer weiteren Kopfballgelegenheit von Demirovic in der 89. Minute war er zur Stelle. Für unseren Keeper gab es zwar die Gelbe Karte wegen Spielverzögerung, doch das ist an einem solchen Tag zu verschmerzen. Umgekehrt gelang es uns leider nicht, die Räume für Konter zu nutzen – so kam auch der VfB-Kasten nicht mehr in Gefahr.
Die Zahlen und die Tabelle
Werfen wir einen nüchternen Blick auf die Fakten: Ein 1:1 nach früher Führung, ein Torhüter mit mehreren Big-Points und ein Stage, der zum wiederholten Male traf. Für den VfB bedeutet das Remis die Rückkehr auf Rang vier, der die sichere Champions-League-Qualifikation bedeuten würde. Doch die Konkurrenz aus Hoffenheim (punktgleich, 57 Zähler) und Leverkusen (55) rückt näher heran.
Für uns zählt eine andere Rechnung: Mit dem Auswärtszähler haben wir als Tabellenzwölfter den Vorsprung auf den FC St. Pauli, aktuell 16., auf sechs Punkte ausgebaut. Das ist ein komfortables Polster, das uns Ruhe für die entscheidende Phase gibt.
Die Stimmen zum Spiel
Unser Trainer Daniel Thioune ordnete den Punkt im Sportschau-Interview treffend ein: „Wir sind heute auf eine Topmannschaft getroffen, hier holen wenige Mannschaften etwas – wenn man da einen Punkt holt, werte ich das als einen kleinen Erfolg für uns. Der hilft uns, das kann ein ganz wertvoller Punkt für uns sein. Ich gehe mit einem positiven Gefühl in die letzten Spiele, aber nicht überschwänglich. Es ist wichtig, wieder Grenzen zu verschieben, um vielleicht in der nächsten Woche die Saison einzutüten.“
Auf der Gegenseite überwog bei Sebastian Hoeneß eine gemischte Gefühlslage: „Wir hätten gerne gewonnen und sind einerseits enttäuscht über das Resultat, andererseits aber auch froh über den Punkt, der nicht so einfach zu holen war, durch den wir aber wieder Vierter sind. Jetzt freuen wir uns auf das Spiel gegen Hoffenheim, jetzt kommen die Partien, die richtig Bock machen, da weiß man genau, dass es um alles geht.“
Fazit und Ausblick
Was bleibt von diesem Nachmittag in Stuttgart? Ein Auftritt, der uns Mut machen darf. Wir sind nicht nur mit einer defensiven Abwehrschlacht zum Ergebnis gekommen, sondern haben in der Anfangsphase gezeigt, dass wir auch bei einem Spitzenteam mutig auftreten können. Die frühe Führung durch Stage, die Rettungstaten von Backhaus und die insgesamt disziplinierte Defensivleistung – das sind die Bausteine, auf die wir bauen können.
Natürlich ärgert uns die verpasste erneute Führung durch Stage in der 71. Minute, denn mit etwas mehr Kaltschnäuzigkeit wären hier sogar drei Punkte drin gewesen. Doch angesichts der Feldüberlegenheit des VfB in der zweiten Halbzeit ist das Remis absolut in Ordnung – und in unserer Situation Gold wert.
Der Blick richtet sich nun auf den kommenden Samstag: Am 2. Mai 2026 sind wir um 15:30 Uhr beim FC Augsburg zu Gast. Und dort könnte der Klassenerhalt tatsächlich schon perfekt gemacht werden – sofern wir mehr Punkte holen als St. Pauli gegen Mainz 05 und mindestens genauso viele wie Wolfsburg in Freiburg. Es liegt also viel in unseren eigenen Händen. Wenn wir die Einstellung aus dem Stuttgart-Spiel mitnehmen, dann dürfen wir zuversichtlich sein, die Saison endgültig einzutüten. Packen wir es an – auf geht’s, Werder!
Die Fakten zum Spiel
Ergebnis: VfB Stuttgart – Werder Bremen 1:1 (0:1)
Tore: 0:1 Jens Stage (18.); 1:1 Ermedin Demirovic (61.)
Zuschauer: 60.000
Gelbe Karten: Mio Backhaus (Bremen, Spielverzögerung)
Rote Karten: keine
Besondere Vorkommnisse: Jens Stage erzielte mit dem 0:1 sein 10. Saisontor; Ermedin Demirovic traf nur vier Minuten nach seiner Einwechslung zum 1:1 (10. Saisontor); Backhaus mit starken Paraden gegen El Khannouss (22.) und Bouanani (82.)
Tabellensituation: Stuttgart kehrt auf Rang 4 zurück (57 Punkte, punktgleich mit Hoffenheim, Leverkusen 55). Werder vergrößert als 12. den Vorsprung auf den 16. FC St. Pauli auf sechs Zähler.
Nächstes Spiel: Samstag, 02.05.2026, 15:30 Uhr, FC Augsburg, Auswärts
